Weitere Papyri unterdrückt

Eine andere Sache, die einen Schatten des Zweifels auf Dr. Atiyas angebliche Entdeckung wirft, ist die Tatsache, dass die Mormonenkirche selbst ein tatsächliches Stück Papyrus aus Joseph Smiths Kollektion besitzt, das sie 130 Jahre lang unterschlagen hatten. 1966 druckten wir Joseph Smith's Egyptian Alphabet and Grammar, das eine Ablichtung dieses Fragmentes enthielt. Grant Heward identifizierte es als ein echtes Papyrusfragment und im Salt Lake City Messenger für April 1966 erklärten wir, dass das Egyptian Alphabet and Grammar "eine Ablichtung eines echten Stückes Papyrus, das Teil des 'Buches Abraham' oder des 'Buches Joseph' sein kann", enthielt. Nachdem das Fragment so viele Jahre lang unterdrückt worden war, beschlossen die Mormonenführer schließlich, es zugänglich zu machen. Diesbezüglich machte Dr. Hugh Nibley folgende Bemerkung: "Dieses Fragment wurde die Jahre hindurch im Kirchengeschichtsschreiber-Büro zwischen Joseph Smiths Papieren, die das sogenannte Egyptian Alphabet and Grammar enthalten, aufbewahrt." (Brigham Young University Studies, Winter 1968, Artikel von Hugh Nibley)

(Im Original-Buch befindet sich hier eine Ablichtung von diesem Fragment, wie sie in den Brigham Young University Studies erscheint. Sie ist zu schlecht, um sie hier noch einmal abbilden zu können.)

Eine farbige Ablichtung dieses Fragmentes wurde in der Improvement Era vom Feb. 1968 auf S. 40-H veröffentlicht. Der Kirchenteil der Deseret News enthält folgende Erklärung vom 10. Febr. 1968:

"Eine interessante Entwicklung der Arbeit, die von Dr. Hugh Nibley an der BYU an den Papyrusfragmenten getan wird, die der Kirche vom New-York-Museum der Kunst übergeben wurden, ist die AUSFINDIGMACHUNG eines weiteren Fragmentes in den Stahlkammern beim Kirchengeschichtsschreiber-Büro.

Der neuliche Fragment-'Fund' befand sich in den Stahlkammern solange sich A. William Lund und Earl E. Olson, Assistent zum Kirchengeschichtsschreiber, erinnern können. Mr. Lund ist seit 1911 in seinem Posten gewesen und arbeitete im Büro seit 1908. Mr. Olson ist seit 1934 im Geschichtsschreiber-Büro gewesen.

Das Fragment ist Teil einer Kollektion, die die Kirche im Zusammenhang mit dem 'Egyptian Alphabet and Grammar' besitzt, das von dem Propheten Joseph Smith vorbereitet worden ist." (Deseret News, Kirchenteil, 10. Febr. 1968, S. 5)

Es ist merkwürdig, dass die Mormonenführer fast zwei Jahre lang, nachdem wir eine Ablichtung dieses Fragmentes veröffentlichten, warten mussten, bis sie ihren bedeutenden "Fund" bekannt gaben. Der Leser mag sich fragen, warum die Kirchenführer diesen "Fund" nicht zur Zeit der Spalding-Kontroverse bekannt gaben. Die Antwort scheint jetzt ziemlich klar geworden zu sein: Es ist in Wirklichkeit ein Fragment vom ägyptischen "Totenbuch" und es hat nichts mit Abraham oder Joseph zu tun. Gemäß Jay M. Todd gibt Dr. Nibley zu, dass es vom Totenbuch stammt: "...Hugh Nibley behauptet, dass das Kirchengeschichtsschreiber-Fragment vom Totenbuch stammt." (Improvement Era, Febr. 1968, S. 40-B)

Dass die Mormonenführer dieses Fragment absichtlich unterdrückten ist sehr offensichtlich. Ein Ägyptologe sagte uns, dass er von einer Anzahl von Jahren an das Geschichtsschreiber-Büro schrieb und sie fragte, ob sie irgendetwas von Joseph Smiths Papyri besäßen. Sie erwiderten, dass sie nichts hätten.

Es ist interessant zu bemerken, dass der Mormonenschreiber Jay M. Todd jetzt zugibt, dass Dr. James R. Clark von der Brigham-Young-Universität von diesem Fragment seit dreißig Jahren wusste, aber es wurde ihm gesagt, er solle diese Information unterdrücken:

"Außerhalb des Kreises einiger Kollegen hat Dr. Clerk das Fragment als eine Sache der Vertraulichkeit behandelt, und zwar DREISSIG JAHRE LANG AUF GRUND VON ANWEISUNGEN DES GESCHICHTSSCHREIBER-BÜROS.“ (The Saga of the Book of Abraham, S. 364)

Wir haben das Gefühl, dass dies eine Menge Licht auf den Beweggrund wirft, warum Dr. Whipple 1962 seine Entdeckung der Papyri am Metropolitan-Museum nicht öffentlich bekannt gab. Er hatte an der Brigham-Young-Universität unter James R. Clark studiert und Dr. Clark hatte sogar seine Abhandlung unterzeichnet. Nun, wenn Dr. Clark im Geschichtsschreiber-Büro jemals mit Walter Whipple über das Fragment diskutiert hatte, hätte er ihm wahrscheinlich gesagt, dass er über diese Angelegenheit Schweigen bewahren sollte, dass die Kirche nicht wollte, dass Kritiker erfahren, dass irgendwelche Joseph-Smith-Papyri immer noch existierten. Mit dieser Art Erziehung an der BYU kann man leicht verstehen, dass Walter Whipple, als er später die Papyri am Metropolitan-Museum entdeckte eine "Gedankenstarre" hatte und die Entdeckung der Welt nicht bekannt gab. Er schlussfolgerte wahrscheinlich: Wenn die Kirche sogar solche Anstrengungen unternahm, um das kleine Papyrusfragment, das sie besaßen, zu verbergen, würden sie sicherlich nicht wollen, dass Fotographien von den 11 Fragmenten in die Hände der Kritiker fielen.

Walter Whipple behauptet, dass seine Entdeckung "niemals ein Geheimnis war. Bei einer Anzahl von Gelegenheiten zeigte er die genaue Ablichtung (vom Original des Fak. Nr. 1) Fireside- und Seminargruppen in der ganzen Region Südkaliforniens,..."

Mr. Whipple sagte nichts über eine Kontaktaufnahme mit seinen früheren Lehrern an der BYU oder mit dem Kirchengeschichtsschreiber-Büro, aber selbst wenn er es getan hätte, hätte man ihm wahrscheinlich geraten, die Entdeckung als eine "Sache der Vertraulichkeit" zu behandeln.

Wie immer dies auch sein mag, so könnte es sein, dass das Kirchengeschichtsschreiber-Büro immer noch wichtige Information in bezug auf die Buch-Abraham-Kontroverse unterdrückt. Es ist möglich, dass sie noch mehr Papyri, Zeichnungen von den Papyri oder anderes diesbezügliches Material haben. Die folgende Information ist in dem Buch From the Dust of Decades, S. 86, zu finden:

"Zumindest der größte Teil der Papyri wurde von der Witwe des Propheten aufbewahrt. Ein kürzlich erschienener Artikel in der Era erzählt von einem Papyrusfragment, das im Kirchengeschichtsschreiber-Büro länger als sich irgendjemand erinnern kann, aufbewahrt wird. Vor einigen Jahren wurden einem Besucher des Geschichtsschreiber-Büros ZWEI oder DREI WEITERE FRAGMENTE mit hieroglyphischen Zeichnungen gezeigt. In welcher Beziehung sie zu dem einen, von dem in der Era gesprochen wird, stehen, ist nicht bekannt. Diese Fragmente zusammen mit dem einen haben eine sehr dunkle Geschichte." (From the Dust of Decades, S. 86)

In einer Fußnote auf Seite 177 dieses Buches erfahren wir, dass es "Walter Whipple" selbst war, der "diese Fragmente zu Gesicht bekam". Auf Seite 116 desselben Buches finden wir folgende Erklärung: "Überzeugt, dass nur ein Teil der ursprünglichen Smith-Kollektion mit dem Atiya-Fund zurückgekommen war, haben Gelehrte viel Begeisterung entfacht, nach dem Rest der Papyri zu suchen. Einige haben das Gefühl, dass es möglicherweise 19 Stücke gibt, andere erhalten aufrecht, dass es noch gilt, 22 Fragmente aufzufinden."

Der Leser wird sich erinnern, dass wir folgendes aus einem Brief zitierten, der von einem Freund Dr. Nibleys geschrieben wurde: "Ich sah Fotographien von ihnen (d.h. von den Fragmenten im Metropolitan-Museum) zum ersten Mal 1963, glaube ich, ... Ich schrieb Nibley, dass einige der Joseph-Smith-Papyri immer noch existierten, aber dass ich nicht sagen dürfte, wo sie sich befanden, und er schrieb mir ungefähr zur selben Zeit, dass jemand in Utah einen Stapel unveröffentlichter Joseph-Smith-Papyri ausfindig gemacht hätte."

Einige haben das Gefühl, dass sich "der Stapel unveröffentlichter Papyri" auf eine andere Entdeckung beziehen kann, die noch nicht öffentlich gemacht wurde. Dr. Nibley selbst hat bei etlichen Gelegenheiten angedeutet, dass noch mehr Papyri entdeckt worden sind. So weit aber sind wir nicht in der Lage gewesen, irgendetwas aufzuspüren. Es könnte sein, dass sich der Rest der Papyri schon „in den HLT-Archieven in Salt Lake“ befindet, wie ein Ägyptologe zu verstehen gab.


weiter

Laut Joseph Smith hat er das Buch Abraham von einer Papyrusrolle aus dem Ägyptischen übersetzt. Als die Papyri wiedergefunden wurden, war man gespannt, ob Joseph Smith tatsächlich richtig übersetzen konnte.
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