Faksimile Nr. 3

von Manfred Trzoska

An Hand von Faksimile Nr. 3 im Buch Abraham möchte ich zeigen, dass Joseph Smiths Grundlage für seine Übersetzung und Deutung der ägyptischen Abbildungen seine eigene Phantasie war. Möglicherweise hatte er selbst geglaubt von Gott inspiriert zu sein, aber massive falsche Einfügungen in die Faksimiles Nr. 1 und Nr. 2 lassen den Schluss zu, dass auch betrügerische Absicht im Spiel war.


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Faksimile Nr. 3, wie in Times and Seasons veröffentlicht.


Wir haben hier die Darstellung der Vorführung des Verstorbenen vor dem Gericht des Osiris. Die Figuren von links nach rechts sind:

Isis (2),

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Osiris (1),

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Maat (4),

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der Verstorbene (5),

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Anubis (6).

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Diese Darstellung ist in vielen Variationen sehr häufig an den Wänden der Königsgräber und den Totentempeln Ägyptens zu finden, aber auch auf Papyri, die zum „Totenbuch“ gehören. Faksimile Nr. 3 enthält aber alle typischen Elemente.

Joseph Smiths Interpretation (siehe S. 46 in der Köstlichen Perle)

Wahre Bedeutung gemäß ägyptischer Mythologie

1. Abraham sitzt durch die Höflichkeit des Königs Pharao auf Pharaos Thron, mit einer Krone auf seinem Haupt, die das Priestertum vorstellt, als ein Sinnbild der großen Präsidentschaft im Himmel, mit dem Zepter der Gerechtigkeit und des Gerichts in seiner Hand.

Dies ist Osiris, der alle verstorbenen Pharaonen repräsentiert. In dieser Position sitzt er zu Gericht über den Verstorbenen, der gerade vorgeführt wird.

2. König Pharao, dessen Name in den Schriftzeichen über seinem Haupte steht.

Dies ist Isis, die Gottesmutter und Gemahlin des Osiris, mit dem Kuhgehörn und der Sonnenscheibe auf dem Haupt. Oft wird sie auch mit einem Thron auf dem Kopf dargestellt. Natürlich enthalten die Schriftzeichen nicht den Namen des Pharaos, sondern "Die große Isis, Mutter Gottes".

3. Bedeutet Abraham in Ägypten – auf Abraham hinweisend, wie es in der neunten Nummer des „Times and Seasons“ wiedergegeben ist. (Auch wie es in dem ersten Faksimile dieses Buches wiedergegeben ist.)

Dies sind keine Schriftzeichen, auch kein anderes Symbol, das auf Abraham hinweist, sondern stellt ein Opfergefäß auf einem Ständer dar, in dem Blumen und Früchte dargebracht werden - eine häufige Darstellung.

4. Der Prinz Pharaos, des Königs von Ägypten, wie es über seiner Hand geschrieben ist.

Dies ist die Göttin Maat mit der Feder auf dem Kopf. Sie ist die Göttin der Gerechtigkeit und hat das Herz des Toten gegen die Feder aufgewogen. Ist das Herz schwerer als die Feder, überwiegen die bösen Taten. (Die Schriftzeichen sagen auch hier, wie in allen anderen Fällen natürlich anderes aus, als Joseph Smith behauptete, nämlich "Maat, Dame des Westens".)

5. Shulem, einer der vornehmsten Diener des Königs von Ägypten, wie die Schriftzeichen über seiner Hand zeigen.

Dies ist der Verstorbene, in diesem Fall Hor, wie die Schriftzeichen sagen, wohl ein prominenter Beamter oder Priester: "Osiris Hor, für immer gerechtfertigt."

6. Olimlah, ein Sklave des Prinzen.

Dies ist Anubis, der Gott der Unterwelt, der auch die Mumifizierung vornahm, dessen Aussehen durch Abkopieren mehr und mehr wohl absichtlich verändert wurde, so dass aus dem Schakalskopf ein Negersklavenkopf entstand.

Um die Banalität dieser Szene zu veranschaulichen, hier noch ein weiteres von hunderten oder tausenden ähnlicher Beispiele:

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Links erscheint wieder Isis mit dem Kuhgehörn und der Sonnenscheibe.

Daneben kommt dieses Mal noch Horus hinzu, der falkenköpfige Sohn von Isis und Osiris.

Als drittes von links erscheint wieder Osiris auf dem Thron sitzend.

Dann erscheint wieder die Opfergerätschaft mit einem Strauß Lotusblüten.

Die Bedeutung der Löwenstatue weiß ich nicht, aber ich vermute sie hat eine Wächterfunktion oder es handelt sich um eine Variante der "Großen Verschlingerin".

Die Waage mit dem Herzen des Verstorbenen in der linken Schale, die Feder in der rechten.

Dann kommt der ibisköpfige Thot, der Gott der Weisheit, als zusätzliches Element hinzu.

Hier, diesmal die Seite neben dem Verstorbenen mit Maat vertauscht, führt Anubis den Verstorbenen an der Hand.

Den Verstorbenen in die Mitte genommen führt Maat ihn zur Linken an der Hand.

Allein das Betrachten von Faksimile Nr. 3 mit dem Hintergrundwissen über die ägyptische Mythologie zeigt schon, dass Joseph Smith keine Ahnung von Ägyptisch hatte und sämtliche Faksimiles falsch deutete und die Papyri nicht, wie er behauptete, durch die Macht Gottes übersetzte, sondern dass dem Buch Abraham eine andere Quelle zu Grunde liegt , wie etwa eine Komposition aus biblischer Erzählung und Phantasie. Um an solchen Fakten vorbeischauen zu wollen, muss man schon einen absurden, naiven Glauben entwickeln. Ich kann es nicht. Das Buch Abraham mit den Faksimiles war für mich vor 16 Jahren der Anlass, mich mit Grausen von Joseph Smith und seinen Schöpfungen abzuwenden, die sich für mich nach und nach als Schwindel herausstellten.

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Auch hier steht Isis hinter dem Thron des Osiris, diesmal mit einem Thron auf dem Kopf. Thot führt Bericht über das Urteil der Waage, auf der sich links das Herz des Verstorbenen befindet und links die Straußenfeder der Maat. Auf den Stufen des Thrones lauert die "Große Verschlingerin" mit dem Krodkodilskopf darauf, den Ungerechten verschlingen zu können.

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Noch ein sehr schönes, üppiges Beispiel, bei dem der Verstorbene von Anubis an der Hand zur Waage geführt wird, wo sein Herz gewogen und das Ergebnis von Thot aufgezeichnet wird. Unter der Waage lauert schon die "Große Verschlingerin". Dann wird der Verstorbene, offenbar gerechtfertigt, von Horus Osiris vorgeführt. Hinter Osiris steht zusätzlich zu Isis noch deren Schwester Nephthys.

Aus der mageren Version vom Totengericht im Buch Abraham (Fak. 3) kann man schließen, dass der Verstorbene keine bedeutende Person war, wie etwa ein Pharao.

 

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Dieses Beispiel von einem Relief in einem Tempel zeigt links die Göttin Maat, erkenntlich an der Feder auf dem Kopf. In der Mitte steht die Waage mit der Feder in der rechten Waagschale und dem Herzen in der linken. Anubis hantiert mit einem weiteren Gott, den ich nicht erkennen kann, an der Waage, deren Bedienung auch zu seinem Aufgabenbereich gehört. Rechts befindet sich der Gott Thot, der das Ergebnis der Abwägung aufzeichnet. Logischerweise würden wir weiter rechts den Thron mit Osiris und der dahinter stehenden Isis erwarten. Weiter links neben Maat und/oder rechts zwischen Thot und Osiris sollte sich der Verstorbene befinden.
Man sieht an diesen Bildern ein immer wiederkehrendes Schema, das in Faksimile Nr. 3 vereinfacht dargestellt wird, weil der Tote weniger prominent war.

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Laut Joseph Smith hat er das Buch Abraham von einer Papyrusrolle aus dem Ägyptischen übersetzt. Als die Papyri wiedergefunden wurden, war man gespannt, ob Joseph Smith tatsächlich richtig übersetzen konnte.
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