Entzifferung der ägyptischen Schrift

Zur Zeit Joseph Smiths befand sich die Wissenschaft der Ägyptologie in den Kinderschuhen. Deshalb konnte man die Arbeit Joseph Smiths nicht ausreichend überprüfen. Die Kenntnis über hieroglyphische, hieratische und demotische ägyptische Schrift ging viele Jahrhunderte vorher verloren und erst zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts bekam man die Hoffnung diese fremden Schriften entziffern zu können. Unmittelbar vor der Jahrhundertwende (1799) fanden einige französische Soldaten einen Stein mit griechischer, demotischer und hieroglyphischer Schrift darauf. Hierzu machte Alan Gardiner folgende Aussage:

"Für solch einen Anhaltspunkt wurde endlich gesorgt, als französische Soldaten, die an dem Fundament für eine Festung bei Rosetta arbeiteten, auf eine dreisprachige Inschrift in Griechisch, Demotisch und Hieroglyphisch stießen (1799). Diese Inschrift, die seitdem unter dem Namen Rosetta-Stein berühmt wurde, erwies sich auf Grund des griechischen Teils als Erlass zu Ehren des jungen Königs Ptolemäus Epiphanes, den die Priester Ägyptens in allen Tempeln des Landes aufstellen ließen (196 v. Chr.)." (Egyptian Grammar, von Sir Alan Gardiner, London 1964, S. 12)

Dr. Sidney B. Sperry gab folgenden Kommentar in Bezug auf den Rosetta-Stein:

"Eine Kenntnis von Griechisch ist der Menschheit nie verloren gegangen und aus diesem Grund konnten die Gelehrten mit Leichtigkeit den griechischen Teil des Steines entziffern. Die Gelehrten erkannten bald, dass das, was in Griechisch ausgesagt wurde in den hieroglyphischen und demotischen Spalten direkt darüber wiederholt wurde. So dachte man, dass die ägyptischen Schriftzeichen mit dem Griechischen verglichen und der allgemeine sinngemäße Inhalt ausgemacht werden könnte. In anderen Worten: Man erkannte, dass der griechische Teil des Rosetta-Steins ein Schlüssel war, der helfen könnte, die Bedeutung der ägyptischen Schriftzeichen zu entschlüsseln." (Ancient Records Testify in Papyrus and Stone, von Dr. Sidney B. Sperry, S. 32, 33)

Obwohl andere mit dem Rosetta-Stein gearbeitet hatten, war Jean Francois Champollion der Mann, der "dazu bestimmt war, unsterbliche Berühmtheit als Entzifferer der Hieroglyphen zu gewinnen". (Egyptian Grammar, S. 13)

E. A. Wallis Budge gibt uns folgende Information:

"Der Fortschritt der Ägyptologie erlitt einen ernsten Rückschlag durch den Tod Youngs am 10. Mai 1830 und durch den Tod Champollions am 4. März 1832 und es gab keinen Gelehrten, der in dieser Wissenschaft ausreichend fortgeschritten war, um ihre Arbeit fortzusetzen. (An Egyptian Hieroglyphic Dictionary, E. A. Wallis Budge, New York, Bd. 1, S. xii)

"1837 ... traf Birch die Entscheidung, zu versuchen, ein 'Hieroglyphical Dictionary' zu veröffentlichen... Die Herausgeber waren nicht begierig darauf, ihr Geld für ein Wörterbuch einer Sprache auszugeben, von der kaum ein Dutzend Leute in der ganzen Welt irgendeine wirkliche Kenntnis hatten." (An Egyptian Hieroglyphic Dictionary, E. A. Wallis Budge, New York, Bd. 1, S. xvii)

Aus der Information, die oben gegeben wurde, kann man klar erkennen, dass die Chance für Joseph Smiths Werk, mit der Wissenschaft während seiner Lebenszeit in Konflikt zu kommen, gering war. Es gab 1835 einen angeblichen Test auf Joseph Smiths Fähigkeit. B. H. Roberts erklärte:

"Der Prophet übersetzte einige der Hieroglyphen, die Mr. Chandler ihm vorlegte, wobei jener Gentleman die Übereinstimmung der Übersetzung des Propheten mit der, die von Gelehrten an anderen Orten, wo die Mumien und die Papyrusrollen ausgestellt worden waren, angefertigt worden waren, bescheinigte." (A Comprehensive History of the Church of Jesus Christ of Latter-day-Saints, von B. H. Roberts, Bd. 2, S. 126)

Mr. Chandlers Bescheinigung lautet folgendermaßen:

"Kirtland, 6. Juli 1835

Folgendes soll allen bekannt gemacht werden, die in Bezug auf Joseph Smith jun. den Wunsch haben mögen, nämlich was die Entzifferung der alten ägyptischen hieroglyphischen Schriftzeichen, die in meinem Besitz sind, die ich in vielen bedeutenden Städten den Gelehrtesten gezeigt habe, anbetrifft, und auf Grund der Information, die ich je erhalten oder auf die ich stoßen könnte, finde ich, dass diejenige von Mr. Joseph Smith jun. in allen Einzelheiten übereinstimmt.

„Mr. H. Chandler,...“ (History of the Church, Bd. 2, S. 234)

Diese Erklärung von Mr. Chandler hat nicht sehr viel Gewicht, wenn wir die Tatsache bedenken, dass er selbst kein Ägyptologe war. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass er irgendeine zuverlässige Information in Bezug auf die Bedeutung der ägyptischen Hieroglyphen besaß. Dr. Sperry von der BYU macht folgende interessante Bemerkung: "Nun weiß ich nicht, wie Mr. Chandler möglicherweise wissen konnte, ob die Übersetzung des Propheten richtig war oder nicht." (Pearl of Great Price Conference, BYU, 10. Dez. 1960, Ausgabe von 1964, S. 4)

Der Mormonenapostel Orson Pratt gab zu, dass Mr. Chandler nicht viel über die ägyptische Sprache gewusst haben konnte: "Mr. C. hat auch von gelehrten Menschen die beste Übersetzung bekommen, die er von einigen wenigen Schriftzeichen bekommen konnte, die wie auch immer keine Übersetzung war, sondern mehr ein Ausdruck ihrer Ideen, da ihre Kenntnis von der Sprache nicht ausreichend war, um sie zu befähigen, sie buchstäblich zu übersetzen." (Journal of Discourses, Bd. 20, S. 65)

So sehen wir, dass Chandlers Bescheinigung über Joseph Smiths Arbeit nicht sehr viel bedeutet, besonders wenn wir die Tatsache in Betracht ziehen, dass er der Mann war, der den Mormonen die Mumien und die Papyri gegen eine große Summe Geld verkaufte.

Joseph Smith wurde 1844 ermordet und innerhalb weniger Jahre kamen die Mormonen nach Westen. Joseph Smiths Mutter lehnte es genauso wie seine Witwe ab, nach Westen zu gehen, und daher verlor die Mormonenkirche die Kontrolle über die Papyrus-Sammlung. Nichtsdestoweniger hatte Joseph Smith in sein Buch Abraham drei Zeichnungen miteinbezogen und er gab auch eine Auslegung zu einem großen Teil des Materials, das in diesen Zeichnungen erscheint.

Im Jahre 1860 hatte die Wissenschaft der Ägyptologie so weit Fortschritte gemacht, dass einige Leute das Gefühl hatten, dass sie benutzt werden könnte, um Joseph Smiths Fähigkeit als Übersetzer auf die Probe zu stellen. Der Mormonen-Geschichtsschreiber B. H. Roberts erzählte das Folgende:

"Es sollte dem Leser gesagt werden, dass diese Fragmente des Buches Abraham, die Faksimiles, die mit diesem Kapitel veröffentlicht wurden, 1860 einem jungen französischen Gelehrten vorgelegt wurden,... Der junge französische Gelehrte des Louvre-Museums, dem die Faksimiles der Fragmente des Buches Abraham vorgelegt wurden, war M. Theodule Deveria. Seine Erklärungen weichen von den Übersetzungen ab, die von Joseph Smith gemacht wurden, aber über die Vorzüge der Übersetzung M. Deverias kann der Schreiber sich kein Urteil bilden..." (A Comprehensive History of the Church, B. H. Roberts, Bd. 2, S. 130, Fußnote)

Deveria hat Joseph Smith nicht nur wegen der Anfertigung einer falschen Übersetzung angeklagt, sondern er klagte ihn an, die Szenen verändert zu haben, die in den Faksimiles gezeigt wurden. Eigentlich muss Deveria eine gute Arbeit geleistet haben, denn ein Ägyptologe machte in einem Brief vom 29. August 1967 folgende Aussage: "Ich machte eine Übersetzung davon und zwar so viel wie ich von den Faksimiles der KP erlesen konnte; sie ist keine große Verbesserung gegenüber derjenigen, die von Deveria vor ca. 100 Jahren veröffentlicht wurde."


 

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Laut Joseph Smith hat er das Buch Abraham von einer Papyrusrolle aus dem Ägyptischen übersetzt. Als die Papyri wiedergefunden wurden, war man gespannt, ob Joseph Smith tatsächlich richtig übersetzen konnte.
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