Änderungen im Faksimile

Ägyptologen haben immer behauptet, dass die Mormonen die Szene, die in Faksimile Nr. 1 gezeigt wird, geändert haben. Sie behaupten, dass die stehende Figur (Anubis) eigentlich einen Schakalskopf an Stelle eines Menschenkopfes haben müsste. Einige Ägyptologen behaupten, dass das Messer in die Hand des Anubis eingefügt worden ist und dass der Vogel eigentlich einen Menschenkopf haben müsste. Die Anklage, dass die Mormonen die Szene geändert hätten, wurde vor einem Jahrhundert von Theodule Deveria erhoben. In seiner Auslegung von Faksimile Nr. 1 erklärte er:

"1. Die Seele Osiris in der Form eines Habichts (der eigentlich einen menschlichen Kopf haben müsste).

2. Osiris wird auf seiner Toten-Couch, die das Aussehen eines Löwen hat, lebendig.

3. Der Gott Anubis (der eigentlich einen Schakalskopf haben müsste), der die Auferstehung des Osiris bewirkt." (A Journey to Great Salt Lake City, Band 2, wie in Deseret News, 4. Januar 1913, zitiert)

1912 erhob Dr. Albert M. Lythgoe, Chef der Abteilung für Ägyptische Kunst am Metropolitan-Museum, eine simple Anklage:

"Dr. Lythgoe... äußerte den Wunsch, einen Originalpapyrus, von dem der Prophet Smith übersetzte, oder eine Fotographie davon an Stelle von Zeichnungen, die davon gemacht wurden, sehen zu können. In der ersten der Mormonen-Abbildungen wurde der Gott Anubis, der sich über die Mumie beugt, mit einem menschlichen und einem seltsam unägyptischen Kopf an Stelle eines Schakalskopfes, was in einer solchen Szene üblich ist, dargestellt. Und ein Messer war in die Hand des Gottes gezeichnet worden." (New York Times, Magazin-Teil, 29. Dezember 1912)

1966 blieben die Ägyptologen John A. Wilson und Richard A. Parker immer noch dabei, dass Faksimile Nr. 1 geändert worden war. John A. Wilson klagte an: "Der Kopf des Gottes ist fälschlicherweise als menschlich abkopiert worden und müsste eigentlich ein Schakalskopf sein." (Brief vom 16. März 1966) Richard A. Parker erklärte: "Nummer 1 ist eine veränderte Kopie einer wohlbekannten Szene des toten Gottes Osiris auf seiner Bahre mit einem schakalköpfigen Gott Anubis, der als sein Einbalsamierer tätig ist." (Brief vom 22. März 1966) Richard Parker erklärte: „Nummer 1 ist eine veränderte Kopie von einer wohlbekannten Szene des toten Gottes Osiris auf seiner Bahre mit einem schakalartigen Gott Anubis, der als sein Einbalsamierer tätig ist.“ (Brief vom 22. März 1966)

R. C. Webb, der Apologet für die Mormonen, schrieb folgendes:

„…es sei denn, diese Zeichnungen sind an etlichen wichtigen Stellen geändert worden,… so repräsentieren sie nicht die übliche Art von Illustrationen im Totenbuch,… Wenn es keinen Beweis gibt, dass sie beim Abzeichnen nicht geändert worden sind, so gibt es auch keinen Beweis, dass sie auf diese Weise geändert wurden,… Es gibt zahlreiche Darstellungen von Anubis, dem ‚Beschützer der Toten’, wie er neben dem Leichnam oder der Mumie auf ihrer Bahre steht. Man kann aber sicher annehmen, dass in all solchen Zeichnungen Anubis auf herkömmliche Weise gezeigt wird, mit einem Schakalskopf mit verlängerter Schnauze, niemals mit einem menschlichen Kopf.“ (Improvement Era, Bd. 16, Seite 437)

Im Improvement Era, Bd. 17, Seite 319, erklärte Dr. Webb: "Also nannte Dr. Petrie die stehende Figur 'Anubis', aber er verwies uns nicht auf wirkliche Beispiele, in denen jener Gott mit einem Menschenkopf anstelle eines Schakalkopfes gezeigt wird. Dr. Breasteds Anmerkung über die versuchte Schlichtung zwischen den verschiedenen Ansichten, 'Anubis' und 'Priester', wobei er behauptet, dass 'der amtierende Priester den Kopf eines Wolfes oder Schakals trägt, um Anubis zu verkörpern', fügt unserer Erleuchtung nichts hinzu, da die zur Frage stehende Figur keinen solchen Kopf trägt."

Der Mormonen-Geschichtsschreiber B. H. Roberts machte folgende sarkastische Bemerkungen in Bezug auf die Anklage, dass die Mormonen die Faksimiles verändert hätten:

"Zu diesen unterschiedlichen Auslegungen dieser Abbildung 1 füge ich die von M. Deveria hinzu: 'Die Seele Osiris' in der Form eines Habichts.' Er fügte auch hinzu, in Klammern, dass der Habicht eigentlich einen menschlichen Kopf haben müsste.' Ja, oder den Kopf eines Esels, dann könnte man es etwas anderes bedeuten lassen als diese anderen gelehrten Männer beschreiben ... Petrie erhebt keine Klage gegen die Form von 'Abbildung 3', aber Deveria beharrt darauf, dass er 'eigentlich einen Schakalskopf haben müsste'. Ja, oder es müsste eine weitere Änderung vorgeschlagen werden und durch solch einen Prozess kann man eine weitere Bedeutung in die Scheibe hineinlesen und sie von der Übersetzung Joseph Smiths abweichen lassen." (Improvement Era, Bd. 16, S. 321)

Zu der Zeit als diese Anmerkungen geschrieben wurden, war der Originalpapyrus, von dem Faksimile Nr. 1 abgezeichnet worden war, nicht verfügbar. Darum war es B. H. Roberts und "Dr. Webb" möglich, die Ägyptologen wegen ihrer Behauptung, dass Änderungen gemacht worden wären, zu kritisieren. Da nun der Papyrus gefunden worden ist, hat sich die gesamte Situation geändert. Die Position der Mormonen ist erheblich geschwächt worden, da die Teile des in Frage stehenden Papyrus - d. h. die Teile, die den Kopf des Anubis, den Kopf des Vogels und das Messer beinhaltet hätten - fehlen! (Siehe Ablichtung weiter unten)

Dr. Aziz S. Atiya, der Mann, der die Papyri gefunden hatte, machte folgende Erklärung:

"...Ich ging zum Metropolitan Museum of Art, um nach Dokumenten zu suchen ... Während ich dort war, fand ich eine Ablage mit diesen Dokumenten ... Als ich dieses Bild sah, wusste ich, dass es in der Köstlichen Perle erschienen war... der Kopf war abgefallen und ich konnte sehen, dass der Papyrus auf Papier geklebt war, Papier des neunzehnten Jahrhunderts. Der Kopf war mit Bleistift vervollständigt worden, offensichtlich von Joseph Smith, der ihn in Besitz gehabt hatte, als jener Teil abgefallen war. Offensichtlich zeichnete er den Kopf eigenhändig auf das untergeklebte Papier.

Um den Papyrus zu schützen, der auf Grund des Alters zerbrechlich wird - zum Beispiel fiel der Kopf der Person sehr leicht ab, da der Papyrus zerbrechlich war -, dachte wahrscheinlich Joseph Smith, dass es zu seinem Schutz am besten wäre, ihn auf Papier zu kleben." (Improvement Era, Januar 1968, S. 13-14)

Unten befindet sich eine Ablichtung des oberen Teils von Faksimile Nr. 1. Der Leser wird sehen, dass, wer auch immer die fehlenden Teile des Papyrus auf dem Papier darunter einzeichnete, die Szene in anderer Weise rekonstruierte als sie im Buch Abraham erscheint.


ein Bild

Der Leser wird feststellen, dass der Kopf nach vorn gerichtet ist, und das Messer scheint sich in der anderen Hand oben neben dem Kopf zu befinden. Dies scheint zu zeigen, dass die Rekonstruktion nur Mutmaßung war.

Dr. Nibley versucht zu zeigen, dass die "Bleistift-Restauration" von einem Nichtmormonen ausgeführt worden war (Improvement Era, Sept. 1968, S. 72 u. 80), aber seine Argumente sind sehr schwach.

Der Ägyptologe Klaus Baer gibt folgende interessante Erklärung in Bezug auf den Zustand des Papyrus zur Zeit, als Joseph Smith damit arbeitete:

"Gibt es einen Beweis für den Zustand der Vignette von 'Faksimile Nr. 1' zur Zeit Joseph Smiths? Der Holzschnitt zeigt es vollständig, aber wir haben schon gesehen, dass Joseph Smith versuchte, freie Teile in seiner Kopie der Texte auszufüllen. Ist dies hier auch der Fall? Es gibt keinen direkten Beweis, aber Zeile 4 ist ein Hinweis. Man würde erwartet haben, dass sie im 'Faksimile' und in den Kopien der EAG erscheint, wenn mehr existiert hätte, als der jetzt sichtbare unbedeutende Rest - die Hieroglyphen sind in 'Faksimile Nr. 3' mit eingeschlossen.

Die Skizze in der Lücke ist ein stärkeres Argument. Kopf und Schultern der stehenden Person (3) unterscheiden sich total von denen in 'Faksimile Nr. 1' auf dem Verstärkungspapier von P.JS I. . Sie können nicht voneinander abkopiert worden sein und sie weichen zu sehr voneinander ab, um vom selben Original kopiert worden sein zu können. Wenn die Skizze später entstanden wäre als der Holzschnitt der KP, würde man erwarten, dass sie dem 'Faksimile' ähnelte. Wenn andererseits Joseph Smith sie selbst gezeichnet hätte, um einen Teil des Papyrus zu ersetzen, der beschädigt worden war, nachdem er in seinen Besitz gelangte, so würde man immer noch erwarten, dass die zwei Versionen sich ähnelten. Die wahrscheinlichste Erklärung für den Unterschied ist, dass die Skizze auf dem Verstärkungspapier eine schon vorhandene Lücke auf eine Weise ausfüllt, die Joseph Smith für unbefriedigend hielt. Hinzu kommt noch, wie wir schon gezeigt haben, dass die ägyptischen Parallelen zu den fehlenden Teilen der Vignette weder der Skizze noch dem 'Faksimile Nr. 1' ähneln. Der menschenköpfige Vogel (1) wäre kaum mit einem Vogelkopf in der KP gezeichnet worden, wenn von dem Papyrus mehr erhalten gewesen wäre, als der Holzschnitt angefertigt worden war." (Dialogue: A Journal of Mormon Thought, Herbst 1968, S. 132-133)

In Fußnote 31 auf Seite 118 desselben Artikels erklärt Klaus Baer: "...die Vignette war wahrscheinlich 1835 im Grunde genommen in demselben Zustand wie heute und die Restaurationen, die auf dem Stützpapier skizziert waren und die in 'Faksimile Nr. 1' in der KP, sind keine Kopien von den fehlenden Teilen."

Dr. Hugh Nibley macht folgende Bemerkung in Bezug auf den Vorwurf, dass Faksimile Nr. 1 geändert worden ist:

"1. Es ist bezeichnend, dass der Vorwurf des Fälschens sich heutzutage auf jene Teile des Dokumentes konzentriert, die zufällig fehlen, und somit wird der erste Grundsatz des Kritisierens von Texten verletzt... Wenn der Kopierer bei vier Fünfteln der Skizze, die übrig geblieben war, vollkommen zuverlässig gewesen ist, warum sollte er dann bei dem bestimmten Teil, der fehlt, unzuverlässig gewesen sein?" (Improvement Era, September 1968, Seite 74)

Wir haben das Gefühl, dass Dr. Nibley wichtige Beweise in Bezug auf Joseph Smiths Methode, mit diesen Dokumenten zu arbeiten, übersieht. Wir haben schon gezeigt, dass die Teile von Faksimile Nr. 2, die auf dem Originaldokument fehlen, von anderen Dokumenten her eingefügt worden waren und dass falsche Restaurierungen im "Sensen"-Papyrus getätigt wurden. Da Joseph Smith für die Fälschungen in den anderen Dokumenten verantwortlich war, warum sollten wir glauben, dass er sich in Bezug auf Faksimile Nr. 1 anders verhielt? Wir haben William S. Wests Aussage zitiert, dass die Papyri "beim Abnehmen von der Rolle von Einbalsamierungssalbe, die in ihr enthalten war, zerrissen wurden, und einige Teile gingen vollständig verloren..." Diese Aussage wurde nur zwei Jahre, nachdem Joseph Smith in den Besitz der Papyri kam, gedruckt. Wir müssen auch daran denken, dass die Ägyptologen ihre Vorwürfe erhoben, lange bevor die Papyri wiederentdeckt wurden. Es erscheint sehr bezeichnend, dass ausgerechnet die Teile, denen die Änderungen unterstellt werden, die Teile sind, die beim Original-Papyrusfragment fehlen.

In einem verzweifelten Versuch, das Buch Abraham zu retten, behauptete Dr. Nibley, dass ein "altes Portrait" von Joseph Smiths Mutter beweist, dass Faksimile Nr. 1 nicht geändert worden ist. Dr. Nibley gründete seine Behauptung auf eine Fotographie dieses Portraits. Wesley P. Walters wiederentdeckte aber das Original-Portrait und Dr. Nibley war gezwungen zuzugeben, dass er in Bezug auf diese Sache einen Fehler gemacht hatte. Zur weiteren Information hierüber siehe unseren Case, Bd. 3, S. 40-43, 72-73.

Der Ägyptologe Richard A. Parker hat vorgeschlagen, dass ursprünglich ein zweiter Vogel in Faksimile Nr. 1 abgebildet war, aber dass er abgebrochen war. Er hat den Eindruck, dass das, was Joseph Smith für die erhobene Hand Abrahams hielt, in Wirklichkeit die Flügelspitze des zweiten Vogels ist (siehe Dialogue: A Journal of Mormon Thought, Sommer 1968, Seite 86). Seiner Auslegung entsprechend, „schwebte der Vogel über dem eregierten Phallus des Osiris (der jetzt weggebrochen ist)“. Er erklärt dass Isis die Form eines Vogels annahm und "auf magische Weise vom toten Osiris geschwängert wurde und später Horus gebiert, der seinen Vater rächt und dessen Erbe übernimmt“. Klaus Baer sagt: "Es gibt einige Probleme in Bezug auf die Wiederherstellung der fehlenden Teile des Körpers des Osiris. Er war mit ziemlicher Sicherheit ithyphallisch dargestellt, bereit Horus zu zeugen, wie in vielen solcher Szenen in Dendera." (Dialogue: A Journal of Mormon Thought, Herbst 1968, Seite 119)

Wenn nachgewiesen werden könnte, dass Osiris in dieser Zeichnung ursprünglich „ithyphallisch dargestellt“ wurde, wäre es für die Kirche sehr peinlich. Dies ist eine Möglichkeit, die in Betracht gezogen werden müsse, da Faksimile Nr. 2 den ithyphallischen Gott Min zeigt. Dr. Hugh Nibley sagt, dass es „eine Anzahl von Zeugungsszenen gibt, in denen die Mumie ihren göttlichen Nachfolger ihre Reinkarnation zeugt“ (Improvemnt Era, Oktober 1968, Seite 78), aber er argumentiert energisch gegen die Vorstellung, dass Faksimile Nr. 1 ursprünglich eine solche Szene wäre:

„Wir müssen im Kopf behalten, dass die Änderungen, die Professor Parkers Auslegung fordert – die Schakalsmaske des Priesters, der schwebende Vogel und die angedeuteten Zeugungsaktivitäten – nicht nur die auffallendste Position vorne und im Zentrum des Nummer 1-Papyrus belagern, sondern durch ihre ungewöhnliche, um nicht zu sagen, schockierende Natur die vordere Seite und das Zentrum einnehmen (und viele Besucher von Nauvoo suchten nach etwas Schockierendem), das würde mit höchster Sicherheit die Aufmerksamkeit jedes Beobachters auf sich lenken. Wie kann es angehen, dass während all der Jahre, als die Papyri von der alten Schwester Lucy Mack Smith gegen einen kleinen Anerkennungsbetrag jeder interessierten Gruppe gezeigt wurden, niemand bemerkte, dass sie sich drastisch von jeder wohlbekannten Druckkopie unterschieden, zu deren Mitnahme der Besucher eingeladen war?“ (Improvemnt Era, Sept. 1968, Seite 77)

Die Antwort auf Nibleys Frage ist einfach: Wenn es wirklich eine Zeugungsszene war, wie einige Ägyptologen behaupten, wurde der Papyrus an diesen Stellen wahrscheinlich beschädigt, bevor Joseph Smith sie erhielt, und deshalb konnten die Besucher auch nichts „Schockierendes“ über die Zeichnung sehen.

Der Mormonen-Ägyptologe Edward H. Ashment scheint unsicher darüber zu sein, wie dieser Teil des Papyrus wiederhergestellt werden sollte:

„Der direkte Beweis, ob nun die erhobene ‚Hand’ der liegenden Figur wirklich eine Hand ist oder die Spitze eines Vogelflügels, ist mager. Mit Ausnahme von einigen schwachen Andeutungen, könnte man sie als entweder das eine oder andere ansehen… nimmt man nun die allgemeine Ähnlichkeit mit der unteren Hand und die Tatsache, dass sie nicht in einer Weise gezeichnet wurde, die dem Flügel des Vogels zu ihrer Rechten ähnlich ist, so ist es plausibel, die obere ‚Hand’ als Hand anzusehen. Die zwei kleinen Flecken innerhalb der ‚Hand’ stellen aber ein Problem dar, nämlich dass sie der Sprenkeltechnik ähneln, mit der man Federn auf dem Vogel rechts darzustellen pflegte. Die Flecken scheinen beabsichtigt und keine Reste einer festen Linie zu sein, und dass keine Beschädigung am Papyrus direkt um sie herum auftritt. Dies deutet darauf hin, dass die obere ‚Hand’ etwas anderes als eine Hand gewesen sein könnte – so wie die Spitze eines der beiden Flügel von Isis, die über Osiris schwebte, wie sie es auch in anderen Szenen tut, die dasselbe Ereignis darstellen… Was die obere ‚Hand’ betrifft, so gibt es Parallelen für einen Vogel, der über der liegenden Figur schwebt, aber es gibt keine Parallelen für eine liegende Figur mit zwei erhobenen Armen, und wenn man also die andererseits unerklärlichen Flecken mitrechnet, so scheint es, dass die obere ‚Hand’ ein Flügel sein kann, obwohl die direkte Beweisnahme vom Papyrus nicht mit Sicherheit diese Folgerung stützen kann.“ (Sunstone, Dezember 1979, Seite 36-38)

Wie auch immer, die Mormonengelehrten waren wahrscheinlich sehr enttäuscht, als sie herausfanden, dass der Kopf der stehenden Figur auf dem Originalpapyrus fehlte. Sie hatten eine große Sache daraus gemacht, dass Faksimile Nr. 1 sich von anderen ägyptischen Szenen darin unterschied, dass sie einen menschlichen Kopf an Stelle des Kopfes eines Schakals hatte. Andererseits sind sich Ägyptologen sicherer als je zuvor, dass die stehende Figur Anubis ist. John A. Wilson, der erklärt hatte, dass "der Kopf des Gottes als menschlicher Kopf falsch kopiert worden ist und eher der Kopf eines Schakals sein müsste", machte folgende Bemerkung, nachdem er die Fotographie des Originalpapyrus sah: "Schließlich möchten sie etwas über die Einbalsamierungsszene wissen und es macht mich zufrieden zu sehen, dass die stehende Figur keinen Kopf hat. Ich bin sicher, dass sie nie einen menschlichen Kopf hatte, da alle diese Illustrationen einen tierischen Kopf zeigen. In Ryerson, Pl. XLVIII, zeigt die Vignette für B. D. 151 den schakalköpfigen Gott Anubis sich über eine Couch beugend, seine Hände auf einer liegenden menschlichen Figur." (Brief von John A. Wilson vom 5. Januar 1968)

Dr. Nibley ist nun bereit zuzugeben, dass der menschliche Kopf auf der stehenden Figur in Faksimile Nr. 1 ein Irrtum ist. Aber er versucht die Schuld dem ägyptischen Künstler zu geben:

"Wir: Nun, Sie gehen so weit, ohne Frage anzunehmen, dass der Priester in Faksimile Nr. 1 eine Schakalsmaske haben müsste. Und Sie haben ganz recht - er müsste sie haben und der Menschenkopf ist ein Irrtum. Aber wessen Irrtum?

Sie: Wessen könnte es sonst sein als Smiths?

Wir: Smith brauchte keinen unmaskierten Priester - eine Maske wäre vielleicht genauso eindrucksvoll gewesen. Aber wir wollen ihre Aufmerksamkeit auf mindestens drei ptolemäische Löwencouch-Szenen lenken, die dieser sehr gleichen und bei denen der Künstler sich die Freiheit nahm, den einbalsamierenden Priester ohne Schakalsmaske zu zeichnen." (Brigham Young University Studies, Herbst 1968, Seite 98)

Der Mormonengelehrte Richley Crapo machte folgende Beobachtung in Bezug auf den Vorwurf, dass Faksimile Nr. 1 geändert worden ist:

"Schon 1860 bemerkte T. Deveria eine Anzahl von ähnlichen Anomalitäten in Faksimile Nr. 1 (Siehe Figur 3). Da er ebenfalls die Unregelmäßigkeiten des zweiköpfigen Gottes in der Mitte des Hypocephalus und die Schlange/Taube-Figur bemerkte, kann man seine Kommentare in Bezug auf Faksimile Nr. 1 sehr wohl mit Respekt betrachten... Nun, obwohl es in diesem Fall an der Beweiskraft mangelt, die es für den Fall von Faksimile Nr. 2 gibt, fragt man sich doch, ob es bloßer Zufall ist, dass dem wiederentdeckten Papyrusoriginal von Faksimile Nr. 1 genau diese anomalen Merkmale fehlen: der Kopf des Priesters, das Messer und der Kopf des Vogels." (Book of Abraham Symposium, 3. April 1970, Seite 29)

Edward Ashment, der Mormonen-Ägyptologe, hat sorgfältig die Beweislage in Bezug auf Faksimile Nr. 1 untersucht und ist zum Schluss gekommen, dass Joseph Smith sich bei seiner Wiederherstellung der menschlichen Figur und des Vogels wahrscheinlich geirrt hat:

„Somit ist es offensichtlich, dass die obere Kante des Papyrus Joseph Smith I praktisch 1835 dieselbe war wie heute, wodurch aufgezeigt wird, dass jedes Material darüber durch eine Restauration eingefügt wurde. (Siehe Tafel 1)

Es handelt sich genau um das umstrittene Material. Beiläufig, es ist bezeichnend, dass dies ausgerechnet die Punkte sind, von denen man erwarten würde, dass sie sich von den üblichen Couch-Motiven unterscheiden, wenn der(die) restaurierende(n) Künstler keine Kenntnis von antiker, ägyptischer, religiöser Kunst hätte(n)… auf Grund eingehender Untersuchung des oberen Torso der schwarzen, stehenden Figur (Illustration 9) tauchen zwei bedeutende Unterschiede zwischen dem Original und dem Hedlock-Holzschnitt auf: Der Anstiegswinkel der Hedlock-Schulter ist nicht annähernd so senkrecht wie auf dem Original, und auf dem Original bestehen Teile der Schulter aus engen senkrechten Streifen, die wiederum auf der Hedlock-Version nicht erscheinen. Der zweite Unterschied ist klein, aber sehr bedeutend. In der Hedlock-Kopie verläuft eine weiße Linie am Rumpf der stehenden Figur zu seiner Schulter hinauf und dreht dann scharf nach links. Auf dem Original aber, wo das gesamte obere Drittel der Linie intakt ist, gibt es keinen scharfen Knick nach links, was zeigt, dass Hedlock sich dort künstlerische Freiheiten herausnahm.

Diese Spuren sind in sofern bezeichnend, dass sie ein deutlicher Hinweis auf den Gott Anubis sind, der eng mit den Osiris-Mysterien verknüpft wird. Die engen Streifen sind deutlich die Grundkante von Anubis’ Kopfputz (Illustration 10). Die weiße Linie stellt einen Teil von Anubis’ Kleidung dar, so wie der Rest der Kleidung der schwarzen Figur wie die Weste und der Kilt (Illustration 11). Außerdem ist genau die Farbe der Figur – schwarz – ein weiterer Hinweis auf Anubis, so wie das Armband, das Hedlock in seinen Holzschnitt einzufügen versäumte. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sollte Figur 3 als Anubis wiederhergestellt werden und nicht als einen menschenköpfige Person…

Der letzte strittige Punkt auf Faksimile Nr. 1, den man hier betrachten muss, ist, welche Art von Kopf auf dem Vogel sein sollte…

Wie bei der Darstellung von Anubis, gibt es kleine, aber wichtige Anhaltspunkte, wo der Vogel den oberen Rand des Papyrus durchschneidet, die dazu neigen, die Schlussfolgerung zu unterstützen, dass er ursprünglich einen Menschenkopf hatte und somit einen b3 repräsentierte… die Spuren des Vogelkopfes an der Bruchkante des Papyrus weisen deutliche Hinweise auf einen Menschenkopf auf (Illustration 23).

Es ist offensichtlich, dass Reuben Hedlocks Faksimile 1 eine mutmaßlich restaurierte Kopie von Papyrus Joseph Smith I ist… bezeichnende Spuren am oberen Rand des Papyrus Joseph Smith I, wo die stehende schwarze Figur und der Vogel ihn durchschneiden, deuten definitiv zum Einen auf einen schakalköpfigen Anubis und zum Anderen auf einen menschenköpfigen b3-Vogel hin.“ (Sunstone, Dez. 1979, S. 34, 36 und 38)

Weitere Information über die falsche Wiederherstellung von Faksimile Nr. 1 finden Sie in unserem Case, Bd. 3 S. 38-45.

 

weiter

Laut Joseph Smith hat er das Buch Abraham von einer Papyrusrolle aus dem Ägyptischen übersetzt. Als die Papyri wiedergefunden wurden, war man gespannt, ob Joseph Smith tatsächlich richtig übersetzen konnte.
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